Es war ein Akt höchster Zivilcourage: Von der Kanzel aus predigte Dompropst Bernhard Lichtenberg gegen das NS-Regime. Er setzte sich öffentlich für verfolgte Juden, für Opfer von Zwangssterilisierungen und für all jene ein, die die Nationalsozialisten als „lebensunwertes Leben“ diffamierten. Seine Haltung brachte ihn vor Gericht: Lichtenberg wurde wegen „Kanzelmissbrauchs“ und Verstößen gegen das „Heimtückegesetz“ verurteilt. Nach zwei Jahren Haft starb er 1943 auf dem Transport ins KZ Dachau – geschwächt durch die Gefängnisbedingungen.

Am Mittwochabend versammelten sich rund 25 Menschen an der Ecke Greifswalder Straße / Bernhard-Lichtenberg-Straße, um seiner zu gedenken. Der Tag markierte seinen Geburtstag am 3. Dezember 1875 in der damaligen schlesischen Kreisstadt Ohlau (heute Oława in Polen).

Alexander Arnold von der AG Kiezgeschichte würdigte Lichtenbergs mutigen Widerstand und zog eine Linie in die Gegenwart: Demokratische Werte seien wiederum durch Rechtsextremisten und Neonazis gefährdet.

Matthias Kohl von der Herz-Jesu-Gemeinde hob Lichtenbergs besondere Stellung hervor: Er zählt zu den „Gerechten unter den Völkern“ im israelischen Yad Vashem und wird in der katholischen Kirche als Seliger verehrt – ein Märtyrer, der ein bleibendes Vorbild für moralische Standhaftigkeit und Mitmenschlichkeit sei.
