Trotz Klimanotstand – Kein Herz für Bäume im Bezirksamt

Weg zwischen 2 lichten Baumreihen
Leider ein historisches Bild: Die Hälfte dieser Eschen an der Kniprodestraße wurde gefällt. Foto: Petra Wilfert

Am 4.Mai war es nun soweit. In der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) sollte über zwei Anträge zum Erhalt oder die Vernichtung der „Eschen-Allee“ entlang der Werneuchener Wiese an der Kniprodestraße entschieden werden. Schon vorher wurde bekannt, dass sich die Fraktionen von SPD, CDU und LINKE aus Angst, die Schuldrehscheibe könne nicht rechtzeitig fertig werden und wegen der damit verbundenen ‚Schulwegsicherung‘ gegen den Baumerhalt entschieden hätten. Sie zeigten an den von Anwohnern und einer Planerin vorgelegten alternativen Lösungen mit dem Erhalt der Bäume kein Interesse.

In Gesprächen mit den Stadträtinnen Krössin und Anders-Granitzki, die für den Schulbau und die (auch) dafür notwendigen Wege zuständig sind, wurde bestätigt, dass diese Gründe nicht zutreffen. Das Schulprovisorium sei von dortigen Wegeplänen unabhängig, der Baufortschritt planmäßig und der Hauptzugang zur Schule, auch aus Sicherheitsgründen, von der Margarete-Sommer-Str. aus vorgesehen. Somit werden die Hauptschülerströme über die Danziger und die Virchowstraße zur M.-Sommer-Straße erwartet. Zudem werden dort nur Schüler aus sanierungsbetroffenen weiterführenden Schulen unterwegs sein, keine Grundschüler.

Der geplante Bau eines 5m breiten versiegelten Gehweges anstelle der 26 Bäume der äußeren Baumreihe der Eschenallee sei vom Fachbereich Stadtplanung/-erneuerung des Ressorts von Stadträtin Tietje beim Strassen- und Grünflächenamt (SGA) in Auftrag gegeben worden, da man dort erstmalig einen „ordentlichen Gehweg auch mit Radbenutzung“ plane. Im Rahmen der Wegeerschließung der Werneuchener Wiese mit deren zeitweiligen (Schuldrehscheibe) und künftigen (Lenné-Meyer-Garten, Spiel- und Sportflächen, Urban Gardening) Nutzungen stünden Fördermittel der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen zur Verfügung, die man für einen standardgemäßen Gehweg nach Mobilitätsgesetz dort nutzen wolle.

Die schöne und vitale Baumallee, deren Lebensdauer Baumgutachter für weitere 30 Lebensjahre prognostiziert haben, hat das Pech, zur Hälfte auf ‚öffentlichem Straßenland‘ und zur Hälfte auf der ‚Grünfläche Werneuchener Wiese‘ zu stehen. Das SGA, das ja auch für die Baumreihe auf dem Flurstück ‚Grünfläche‘(!) zuständig ist, sieht also nur die Möglichkeit, die Baumreihe auf dem ‚öffentlichen Straßenland‘ vollständig zu entfernen, um dort eine Betonfläche anzulegen, anstatt eine Lösung mit der Bewahrung der Baumallee zu suchen. Angeblich konnte das SGA keine andere Lösung finden. Später (wann?) sollen Ersatzpflanzungen (wo denn?) erfolgen. Wird jetzt ein 5m breiter Gehweg angelegt, fehlt später für die im Entwicklungskonzept Werneuchener Wiese dargestellten Baumalleen rund um diese Grünfläche dann an der Kniprodestraße der erforderliche Platz. Aber damit sollen sich später andere befassen, jetzt soll erst einmal gefällt werden!

Eine Bürgerbeteiligung beim Entwicklungskonzept Werneuchener Wiese, das auch die Wegeführungen einschließt, fand bisher nicht statt. Das haben wir im Büro für Bürgerbeteiligung jetzt eingefordert. Die betroffenen Anwohner müssen dabei mitreden können. Wir bleiben dran und informieren Euch weiter.

Petra Wilfert,
für die AGs Bürgerbeteiligung und Verkehr